Indie Pop Charts 2017

I

Ende Dezember ist es immer so weit. Welche Songs haben mich 2017 bewegt? Natürlich rein subjektiv. Wenn ich den einen oder anderen Song vergessen habe, darf man mich gerne in den Kommentaren darauf aufmerksam machen. Die Reihenfolge hängt ebenfalls  von meiner Laune ab. Nur über die ersten drei Plätze diskutiere ich nicht.

1. The Rhythm Method – Something for the weekend

Wenn die nicht groß werden, dann weiß ich es auch nicht. Mike Skinner trifft the Style Council. Sozialkritische Texte verpackt in großem Pop. Oder wie es eine Person in den You-Tube-Kommentaren ausdrückt: „What kind of music is this?“. Das wird vielen nicht gefallen und außerhalb von Großbritannien vermutlich überhaupt keinen Anklang finden. Für mich die Band der Stunde. Die Sachen aus 2016 und 2015 sind noch besser.  Ich kann das Debütalbum kaum erwarten.

Just a little tidy up, just a little off the sides
(What you want boy?)
Just a little round the ears, just a moment, close your eyes
(What you need boy?)
Just a little something for the weekend, not your life
(What you want?)
It’s a haircut, not a disguise

2. Matt Maltese – As The World Caves In

Matt Maltese macht laut seiner Twitter-Beschreibung Brexit Pop. Und das trifft es ganz gut. Wann hat zuletzt jemand so anmutig die Apokalypse herbei gesungen? Ich höre Suede. Ich höre Morrissey. Ich höre Leonhard Cohen. Und ich sehe Tanz-Moves, die sehr dreist aus Nick Caves Musikvideo zu Fifteen Feet Of Pure White Snow geklaut sind.

And here it is, our final night alive
And as the earth runs to the ground
Oh girl it’s you that I lie with
As the atom bomb locks in
Oh it’s you I watch TV with
As the world, as the world caves in

3. Alvvays – Dreams Tonite

Das erste Album der kanadischen Band Alvvays war großartig. Das anschließende Konzert im Molotow war noch besser. Das nun erschienene zweite Album ist minimal schlechter. Aber mit Dreams Tonite reicht es immer noch für einen dritten Platz.

Rode here on the bus
Now you’re one of us
It was magic hour
Counting motorbikes on the turnpike
One of Eisenhower’s

4. LCD Soundsystem – Call The POlice

Nach sieben Jahren also wieder einmal ein neues Album von LCD Soundsystem. Und was für eins. Ich konnte mich kaum für einen Song für diese Charts entscheiden.

It moves like a virus and enters our skin
The first sign divides us, the second is moving to Berlin
But that’s not the state I’m in
The air is thin but that’s not the state

5. Gengahr – Mallory

Ich weiß nichts über diese Band aus Hackney, London. Das erste Album hat mir überhaupt nicht gefallen. Ob mir das zweite gefallen wird? Keine Ahnung. Aber diesen Song bekomme ich einfach nicht mehr aus meinem Kopf.

6. Pale Waves – There’s a Honey

Ich liebe den Gitarrenriff in diesem Song. Die Pale Waves arbeiten derzeit an ihrem Debütalbum. Erklärtes Ziel: ein Nummer-eins-Hit. Könnte klappen.

And I will give you my body
But am I sure that you want me?

7. Liam Gallagher – For What It’s Worth

Die Überraschung des Jahres. Von Liam Gallagher habe ich nun wirklich nichts mehr erwartet. Dann veröffentlicht er mal eben das beste „Oasis-Album“ seit Jahren. Seine Stimme erreicht wieder das Niveau von vor 20 Jahren. Die Texte sind besser als bei Noel.

In my defense, all my intentions were good
And heaven owns a place somewhere for the misunderstood

8. Sundara Karma – She Said

Sundara Karma kommen aus Reading und waren bereits Support für die Wombats und Circa Waves – beides Bands, die es dieses Jahr nicht in diese Liste geschafft habt. Der Style inkl. Hinduismus-Referenzen erinnert ein wenig an Kula Shaker.  Der Sound eher an eben bereits genannten Circa Waves.

She said
I don’t wanna go out chasing
I kinda wanna go out dancing

9. Chilly Gonzales und Jarvis Jocker – Tearjerker

Über drei Jahre arbeiteten Chilly Gonzales und Jarvis Cocker an ihrem Liederzyklus über das Zimmer Nr. 29 im berühmten Hotel Château Marmont in Hollywood. Das Ergebnis erschien nach etlichen Live-Aufritten (u.a. mit mir auf der Bühne in Hamburg) dieses Jahr bei der deutschen Grammophon.

You are such a jerk
You are a tearjerker
You don’t need a girlfriend
You need a social worker

10. Lea Porcelain – Warsaw Street

Ich kann immer noch nicht glauben, dass diese Band aus Deutschland kommt. Oder wie die Spex schreibt: „Lea Porcelain gelingt auf ihrem Album, was man im drittgrößten Musikmarkt der Welt schon mal betonen darf: Sie klingen nicht wie Kartoffeln“. Sounds like Joy Division. Vielleicht eines der besten Alben des Jahres.

Cause leaving never caused such pain
Than you who put the chains on me
And you who likes to watch me bleed
Knowing it won’t last

11. Lorde – Liability

Eine der großen Enttäuschungen dieses Jahres war das neue Taylor Swift Album. Lorde hat mit Melodrama vielleicht das Album gemacht, welches ich mir von Taylor gewünscht hätte.

The truth is I am a toy that people enjoy
Until all of the tricks don’t work anymore
And then they are bored of me

12.  Ezra Furman – Driving down to L.A.

Ezra Furman habe ich erstmals  vor über zwei Jahren bei seinem fulminanten Auftritt auf der Breminale gesehen. Anschließend noch einmal im Molotow. Im kommenden Jahr ist er wieder auf Europa-Tour. Pflichttermin.

I don’t mind
I’ve got big dreams in my mind
I would give up my whole life for that feelin’

13. Der Nino aus Wien – Deine Boheme

Der Nino aus Wien ist so etwas wie der Pete Doherty Österreichs. Geniales Songwriting, hoher Output, aber man macht sich immer etwas Sorgen um die Gesundheit des jungen Mannes.

In deinem Buch sind drinn
Die schönsten Gedichte von mindestens Wien
Schad, dass dich keiner kennt außer i

https://www.youtube.com/watch?v=Y4r4A8haNA0

14. Sleaford Mods – B.H.S.

Auf dem mittlerweile neunten Studioalbum prangert die wütendste Band Englands mal wieder alles an, was in der britischen Politik und Öffentlichkeit gerade falsch läuft.

We’re going down and it’s no stress,
We’re going down like the BHS

15. The Cribs – The Year Of Hate

Auch wenn dieses Album nicht so toll war, sind The Cribs immer noch eine der besten Bands, die jemals aus England kamen. Wenn sie dann vor 30 Leuten im Übel und Gefährlich spielen, merkt man wieder, wie es um die Popkultur in diesem Land steht.

Privileged kids trying to say how it is
Now around here
The mating call of those who should never breed
Loud and clear

16. New Politics – One of Us

Ich hatte schon immer eine Schwäche für überkandidelten Pop aus Skandinavien (The Ark, Melody Club, etc.). New Politics kommen aus Dänemark und sind an mir trotz vier Alben vollkommen vorbei gegangen – vielleicht auch zu recht. Man beachte die Queen Referenzen im Video.

I don’t got much, but I got heart, and soul
I found myself through all the highs, and lows

 17. The Ninth wave – Reformation

Die Glasgower Band klingt ein wenig wie Depeche Mode.

I’m looking for a resurrection
You could save me
I need reformation

18. Fred Thomas – Voiceover

Schrammelgitarre und Sprechgesang. Der Song wird jedesmal ein wenig besser.

But that “Dirty Boots” video from when I was a kid
I still remember trusting it
And I saw an unbroken world where everything was explained
And the people survived

19. The Bleachers – Don’t Take The Money

The Bleachers sind eigentlich Jack Antonoff. Der ist wiederum Songwriter für Taylor Swift, Lorde, St. Vincent & Co.

Somebody broke me once
Love was a currency
A shimmering balance act

20. The Night Café – Turn

Vermutlich hätte ich diesen Song sehr viel weiter oben einordnen sollen. Aber er bildet einen tollen Abschluss. Eine Band, der 2018 hoffentlich auch viel Erfolg bringen wird.

It’s your turn now
They left me waiting all alone and I said they’d run
It’s my fault, no
Cause they knew I’d give it up and I said they’d run

About the author

Jacob Fricke

Hi, ich bin Jacob. Ich arbeite als Fundraiser und Datenanalyst bei Campact. Mehr Informationen über mich findest Du auf dieser Seite.

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By Jacob Fricke

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