Jacob Fricke Data Analyst For Good

Warum spenden Menschen? 8 Gründe

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In der vergangenen Woche zitierte ich eine Studie, wonach Menschen aus zwei Gründen spenden. Erstens weil sie Altruisten sind und zweitens weil es ihnen ein gutes Gefühl gibt. Diese beiden Motive dominieren die ökonomischen Erklärungen des Spendens. Aber in der wissenschaftlichen Literatur finden sich noch weitere Mechanismen. 

René Beckers und Pamala Wieking arbeiten am Zentrum für Philantrophie der Universität Amsterdam. Für den Artikel „A Literature Review of Empirical Studies of Philantrophy: Eight Mechanism That Drive Charitable Giving“ haben sie über 500 Studien ausgewertet, in denen Wissenschaftler nach Spendenmotiven suchten. Auf dieser Basis haben sie acht Gründe identifiziert, warum Menschen spenden: (1) empfundene Notwendigkeit, (2) Spendenbitte, (3) Kosten und Nutzen, (4) Altruismus, (5) soziales Ansehen, (6) psychologische Kosten und Nutzen, (7) Werte und (8) Wirkung.

1. Notwendigkeit

Ein Motiv für Spenden ist die Not, die damit gelindert wird. Oder vielmehr die Kenntnis über die Not. Denn laut den Autorinnen ist nicht die objektive, sondern die subjektiv empfundene Not entscheidend. Das erklärt, warum es schwer ist, für eine Hungerkatastrophe in einem Land ohne mediale Aufmerksamkeit oder eine weitestgehend unbekannte Krankheit Geld zu sammeln. Die damit verbundene Not ist nicht im Bewusstsein der Spenderinnen. 

2. Spendenbitte

Menschen spenden zweitens, weil sie darum gebeten werden. Die Autorinnen zitieren zwei Studien, wonach um die 85 % aller Spenden auf konkrete Bitten eingingen. Aus meiner Erfahrung dürfte der Wert noch höher liegen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass Spenden, die nicht unmittelbar auf Bitten zurückgehen, dennoch Abstrahlungseffekte dieser sind. Allerdings lassen sich die Einnahmen durch zusätzliche Spendenbitten nicht unendlich steigern. Ab einem bestimmten Volumen wirken sich weitere Bitten negativ auf das zukünftige Spendenverhalten aus. 

3. Kosten und Nutzen

Ein weiterer Grund zu spenden oder eben nicht, sind die relativen Kosten einer Spende für den Spender. Relativ bedeutet hier, dass eine 100 EUR Spende für zwei Personen mit unterschiedlichen Kosten verbunden sein kann, weil sie über unterschiedlich hohe Vermögen verfügen oder Geld einen unterschiedlichen Wert beimessen. 

Der Nutzen einer Spende entsteht unmittelbar oder zu einem späteren Zeitpunkt. Ein direkter Nutzen entsteht mir, wenn ich für die Spende eine Art Gegenleistung erhalten. Zum Beispiel ein Essen mit dem Vorstand oder ein Los innerhalb einer Lotterie. Langfristig kann der Nutzen sich auch daraus ergeben, dass ich zum Beispiel die Parkinson-Foschung finanziere, weil ich genetisch ein hohes Risiko habe, später einmal daran zu erkranken und mir bis dahin bessere Behandlungsmöglichkeiten verspreche. Grundsätzlich besteht bei diesen Anreizen die Gefahr, dass sie andere Spendenmotive verdrängen und die Spende zu einer Handelsbeziehung verkommt.

4. Altruismus

Den vierten Grund für Spenden nannte ich bereits in der Einleitung. Menschen spenden selbstlos, weil ihnen das Wohlergehen anderer Menschen oder die Bereitstellung eines öffentlichen Gutes wichtig ist. Das nennt sich Altruismus.

5. Soziale Anerkennung

Menschen spenden fünftens, weil sie dafür mit Anerkennung aus ihrem sozialem Umfeld belohnt werden oder weil sie befürchten, dass ihr Ansehen leidet, wenn sie nicht spenden. Dieser Faktor wird von Spendern meist verneint. Zahlreiche Studien belegen aber das Gegenteil. So wird bei Fernsehsendungen zum Sammeln von Spenden am meisten gespendet, wenn die Namen der Spender eingeblendet werden.

6. Psychologische Nutzen

Sechstens spenden Menschen, weil ihnen der Akt des Spendens ein gutes Gefühl gibt und sie darüber ihr positives Selbstbild bestätigen. 

7. Werte

Einstellungen und Werte des Spenders haben ebenfalls einen Einfluss auf das Spendenverhalten. Je sozialer und postmaterialistischer ein Mensch veranlagt ist, desto eher wird er für gemeinnützige Organisationen spenden. Aber die Einstellungen und Werte eines Spenders beeinflussen nicht nur, ob er spendet, sondern an welche Organisation. Je höher die Übereinstimmung der Werte zwischen Spender und Empfängerorganisation, desto wahrscheinlicher ist eine Spende.

8. Wirksamkeit

Menschen spenden schlussendlich auch nur, wenn sie von der Wirksamkeit ihrer Spende überzeugt sind. Erneut ist hier nicht entscheidend, ob es objektiv einen Unterschied macht, ob eine Person spendet oder nicht, sondern wie sie dies subjektiv empfindet.

About the author

Jacob Fricke

Hi, ich bin Jacob. Ich arbeite als Fundraiser und Datenanalyst bei Campact. Mehr Informationen über mich findest Du auf dieser Seite.

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